MONSTERA
Shirana Shahbazi

Shirana Shahbazi
MONSTERA
25. Oktober – 7. Dezember 2014



MONSTERA
MONSTERA
MONSTERA
MONSTERA
MONSTERA
MONSTERA
MONSTERA
MONSTERA
MONSTERA
MONSTERA

Pressetext

Ende April 2014 reiste Shirana Shahbazi mit ihrer Familie während drei Monaten von Zürich nach Teheran. Unterwegs hielten sie an verschiedenen Orten an. Die Künstlerin machte unzählige Urlaubsbilder von ihren Töchtern, Freunden, Verwandten und Unbekannten, von szenischen Ansichten, einem seltsam aussehenden Gebäude, etc. Diese Bilder, aufgenommen mit einer Kompaktkamera, sind private Erinnerungsstücke. Auch wenn unter den hunderten von Bildern einige dazu verleiten, einen "künstlerischen Blick" dahinter zu vermuten; das Potential der Fotografie liegt eben darin, dass entscheidende Momente schlicht möglich sind. Eine Begegnung mit Schönheit: ein Sonnenuntergang, ein Blick aufs Meer, eine Stadt bei Nacht. Eine Begegnung mit dem Seltsamen: eine verwaiste Büste einer historischen Figur neben einer Jahrmarkts-Delfinfigur in einem Garten. Eine Begegnung mit dem Exotischen: ein Wüstenstrassenschild, welches die 885 km Distanz zu einem – für uns im Westen – weit entfernten Reiseziel anzeigt. Nach ihrer Heimkehr in die Schweiz entschied sich Shirana Shahbazi für eine Auswahl dieser Bilder, um sie dann zu vergrössern und mithilfe eines Litographieverfahrens zu reproduzieren. Die Palette wurde auf zwei Farben pro Bild reduziert. Die geisterhafte Präsenz der dabei entstandenen Werke stumpft das Gefühl von Nostalgie ab, das sich mit einem Familienalbum assoziieren lässt, und verleiht diesen Bildern eine irreale, fast traumhafte Qualität. Darüber hinaus: die strahlend bemalten Wände der Kunsthalle, welche den Bildern als Hintergrund dienen, agieren wie eine Bühne, durch die die Erfahrung des Sehens umso abstrakter wird. 

Im Untergeschoss zeigt die Künstlerin die Serie MONSTERA, bestehend aus Aufnahmen von Blättern der gleichnamigen Zimmerpflanze. Botanische Fotografie sei so allgegenwärtig wie das Aufnehmen von Urlaubsbildern, betont die Künstlerin. Fotografiert wurde diese Serie in einem kontrollierten Studio-Setting: Die Blätter wurden gegenbeleuchtet, in manchen Fällen gegen einen Hintergrund von mehrfarbigen Studiolampen gesetzt. Die daraus resultierenden Kunstwerke besitzen die künstliche Intensität von neon-beleuchteten Ikonen.

Aus der Ferne wirken diese Werke, als wären sie am Computer digital nachbearbeitet. Auf den ersten Blick scheint die Patina der Urlaubsbilder im Obergeschoss durch die Anwendung eines Filters entstanden zu sein,  wie sie sich auf den meisten heute geläufigen Mobiltelefonen finden lassen. Stattdessen sind die Objekte das Resultat einer Auseinandersetzung mit den konkreten, materiellen Eigenschaften von Fotografie am Rande des Fetischismus. Take an object. Do something to it. Do something else to it. Jasper Johns‘ bekannte Definition von Kunst lässt sich hier treffend anwenden. Shirana Shahbazi verwebt fortwährend formale und prozessuale Kategorien der Fotografiegeschichte und erzeugt dabei Objekte von fremdartiger Schönheit. 

 

 

Shirana Shahbazi (geboren 1974) lebt und arbeitet in Zürich. Ihrem Werk wurden grössere Präsentationen in folgenden Institutionen gewidmet: Museum of Modern Art, New York, Fotomuseum Winterthur, New Museum, New York, Hammer Museum, Los Angeles, Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam, Centre Culturel Suisse, Paris, Swiss Institute, New York, Barbican Art Gallery, London, Museum of Contemporary Photography, Chicago.

Diese Ausstellung wurde von Fabrice Stroun und Tenzing Barshee kuratiert und dank der grosszügigen Unterstützung von Manuel Krebs, NORM, Etienne Messikommer, Steindruckerei Wolfensberger, Thomi Wolfensberger, Studio arte, Christoph Flückiger, Tricolor, Ronny Ochsner, Galerie Bob van Orsouw, Kultur Stadt Bern, Burgergemeinde Bern und der Stanley Thomas Johnson Stiftung ermöglicht.

Anlässlich dieser Ausstellung ist das Buch Monstera, von Kunsthalle Bern und JRP | Ringier Zürich herausgegeben,und die Edition Monstera Bern, von Kunsthalle Bern und der Künstlerin herausgegeben, erhältlich.

Alle Werke in den oberen Räumen der Kunsthalle Bern sind Lithographien ohne Titel von 2014, courtesy der Künstlerin. Alle Werke in den unteren Räumen der Kunsthalle Bern sind Silbergelatine-Abzüge und C-Prints ohne Titel von 2014, courtesy der Künstlerin und der Galerie Bob van Orsouw, Zürich.