Wenn künstlerische Forschung mehr als ein Gespräch in der Ausstellung sein soll, stellt sich die Frage nach dem räumlichen Verhältnis zwischen den Forschenden und dem Werk. In welcher Form muss das Kunstwerk am Ort der Verhandlung präsent sein? Muss ein realisiertes Werk überhaupt vorhanden sein? Oder entfaltet sich die Forschung selbst zu einem Werk, das die gängige Trennung zwischen Werk und seiner Verhandlung gerade aufhebt? Und wie unterscheidet sich die Verhandlung als Format künstlerischer Forschung von anderen Kontextualisierungen wie Kritik und Diskurs. Kann ein Werk zugleich sein Text und sein Kontext sein?
In der "Langen Nacht des Palavers" ist das Werk als ‘Sprecher’ präsent. Aber die Objekte der bildenden Kunst sind nicht die einzige Referenz für die Auseinandersetzung und Diskussion. Vielmehr soll ein der Forschung vergleich
barer Raum erzeugt werden, der das Kunstwerk und seine Doppelgänger — seine medialen Übersetzungen — an einen Tisch bringen kann, um die Verhandlung als intermediale Inszenierung (von Wissen) zu begreifen. Es geht also um
ein Setting, das die traditionellen Rollen von Sprecher, Objekt, Abbildungen, Autoren und Publikum in Frage stellt und zugleich einen neuen Spielraum bietet. Diese Verhandlung kann als ein Gesprächsformat von öffentlichem Denken immer wieder aufgeführt werden. So wird das Palaver zu einem Präsentationsort auf Zeit, nämlich für die Dauer der Verhandlung.
Im Unterschied zu Gesprächsformaten, die von der Institution initiiert werden, ist das Palaver aus der Perspektive der künstlerischen Produktion her konzipiert. Ausgehend von einem Konzept künstlerischer Forschung von Florian Dombois entwickelte Eran Schaerf einen Realisierungsvorschlag für einen Raum mit Spielregeln, der anlässlich der Biennale Bern von der Kunsthalle getestet wird. In der "Langen Nacht des Palavers" werden Werke von u.a. Nino Baumgärtner, Christoph Keller, Jutta Koether(?), Eran Schaerf, Florian Dombois und Marine Hugonnier (?) verhandelt.